Die Geschichte des Hofes

Ein Fachwerkhaus mit Inschrift

Der Kern des Hofes ist alt - richtig alt. Über dem Kellereingang steht die Jahreszahl 1790, der Gebäudekern selbst wird auf 1786 datiert. Über der Haustür findet sich bis heute die Bauinschrift des Erbauers Johann Rotger Bergmann und seiner Frau Elisabeth Catharina Sipmann, datiert auf den 12. Juli 1798. Der Name des Hofes geht also vermutlich schlicht auf den Mann zurück, der ihn gebaut hat.

1867 kam ein Anbau hinzu, im Laufe des 19. Jahrhunderts ein Stallteil - die rsprüngliche Raumaufteilung blieb dabei bis heute weitgehend erhalten.

Fachwerkhäuser dieser Art sind in Bochum selten geworden: Industrialisierung und Kriegszerstörungen haben die meisten von ihnen verschwinden lassen. Der Hof Bergmann samt seiner denkmalgeschützten Durchfahrtsscheune gehört zu den wenigen, die geblieben sind - und steht deshalb unter Denkmalschutz, eingetragen in der Denkmalliste der Stadt Bochum unter der Adresse Höfestraße 71.

Nur wenige Schritte entfernt, an derselben Straße, liegt mit Haus Laer ein deutlich älteres Anwesen: eine Wasserburg, die dem Stadtteil Laer seinen Namen gab und seit dem 15. Jahrhundert im Besitz derselben Adelsfamilie war. Zwei völlig unterschiedliche Kapitel Bochumer Geschichte, kaum einen Steinwurf voneinander entfernt.

Der Backofen

Ein kleines Backsteinhäuschen am ältesten Gebäudeteil, vom Keller aus befeuert: der Hofbackofen, der auf das Jahr 1815 datiert wird. Gebacken wurden hier traditionell Schwarzbrot und Stuten. Bis etwa 1973 war der Ofen noch in Betrieb, dann verfiel er über die Jahre.

Als 2015 der Wiederaufbau anstand, halfen ausgerechnet die Aufzeichnungen von 1958 weiter - ein alter Aufsatz, der den Ofen bis ins Detail beschreibt: welches Mehl verwendet wurde, wie er angefeuert wurde, welche Brotsorten hier entstanden. Ein Beispiel dafür, wie sich altes Wissen über Generationen hinweg noch nutzen lässt, wenn es einmal aufgeschrieben wurde.

Wiederbelebung ab 2012

Im Frühjahr 2012 ergab sich für eine Gruppe junger Menschen aus zwei Freundeskreisen die Gelegenheit, den Hof und die dazugehörigen zwei Hektar Grünland langfristig zu übernehmen. Was als Wunsch nach einem Ort für nachhaltiges Leben, Werkstattarbeit und Gemeinschaft begann, wurde zur Keimzelle von allem, was der Hof heute ist: der ökologische Gemeinschaftsgarten, die offene Werkstatt, das Sägewerk in der ehemaligen Scheune.

Altes Haus, neue Bewohner*innen: Foto von 2020

Von Anfang an stand der Gedanke des Selbermachens im Mittelpunkt - Reparieren statt Wegwerfen, Learning by Doing statt fertiger Lösungen. Auch die Fläche selbst hat eine eigene, viel ältere Geschichte: Der gute Boden war über Jahrtausende ein Grund für Besiedlung in dieser Gegend, bevor die Industrialisierung die meisten fruchtbaren Flächen im Ruhrgebiet für immer verschwinden ließ. Die Wiese am Hof gehört zu den wenigen, die das überstanden haben.

2019 wurde daraus ein eingetragener Verein: der Gemeinschaftsgarten Hof Bergmann e.V.

Der Hof heute - und seine Zukunft

Seit 2025 wird ein neues Kapitel geschrieben: Zusammen mit der Stiftung trias soll das Grundstück per Erbbaurecht der Spekulation entzogen und in Gemeineigentum überführt werden - damit dieser Ort für Mensch und Natur bleibt, was er in den letzten Jahren geworden ist.


Quellen: Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. (Tag des offenen Denkmals 2015), Denkmalliste der Stadt Bochum, Stiftung trias, derhof.eu